Aus der Geschichte der FF Nienstedten

 

Am 5. August 1886 wurde auf Veranlassung der Landesbrandkasse durch einige Einwohner der Gemeinde Nienstedten der Aufruf zur Gründung der Freiwilligen Feuerwehr erlassen, welcher wie folgt aussah.
 


Aufruf:

Die freiwillige Feuerwehr hat den Zweck, durch häufige Übung sich die Gewandheit und den Mut und die Ruhe anzueignen, welche nötig sind, um bei Feuergefahr durch rasche und zweckmäßige Hilfe tatkräftig zu wirken. Jeder unbescholtene und körperlich rüstige, mindestens 20 Jahre alte Einwohner kann in die freiwillige Feuerwehr aufgenommen werden. Der Dienst ist freiwillig und unentgeltlich. Um diesen Zweck zu erreichen, ersuchen die Unterzeichnenden um rege Beteiligung bei Namensunterschrift zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr in Nienstedten.

C. H. Schnepel H. Martens J. Ellerbrock
J. Breckwoldt Th. Beers C. Kark
W. B. Möller H. Cords



Der Aufruf wurde öffentlich ausgehängt, und der Erfolg war sehr erfreulich - 26 Männer der Gemeinde fanden sich als aktive Feuerwehrleute zusammen. Interessant dabei ist, dass einige der Gründungsnamen noch heute in der Einsatz- oder Ehrenabteilung zu finden sind.

Zuvor bestand der Brandschutz im Ort aus einer Art Brandwehr, die nur im Ernstfall zusammenlief und versuchte, die Brandstelle so gut wie möglich zu schützen. Zu dieser Zeit musste jeder Hausbesitzer ein Feuerlöschgerät in Form eines Eimers im Hause vorhalten. Mit diesen Eimern, die von einem Feuerlöschteich aus von Hand zu Hand bis zum Feuer weitergereicht wurden, versuchte man, den Brand zu bekämpfen. Dies geschah jedoch meistens ohne großen Erfolg.

Schon recht früh erhielt die Gemeinde ein "modernes" Löschgerät, als um 1850 ein vermögender Villenbesitzer von der Elbchaussee eine Handdruckpumpe (Foto) als Löschgerät stiftete. Der Kaufmann John Parish wurde somit zum ersten Förderer des Brandschutzes in Nienstedten. Die Handdruckpumpe wurde mit den Löscheimern befüllt und konnte die Löscherfolge deutlich verbessern. Im Jahre 1883 beschloss die Gemeinde den Bau eines Spritzenhauses in der Schulstraße (heute: Schulkamp), und zwei Jahre vor der eigentlichen Gründung der heutigen Wehr wurde das neue Spritzenhaus eingeweiht (späteres Foto unten - Das Spritzenhaus im Jahre 1961). Die Gemeinde stellte zusätzlich 400 RM zur Verfügung, um das erforderliche Gerät zu beschaffen.

Das erste Ausrücken zu einem Ernstfall erfolgte erst knapp zwei Jahre nach Gründung der Wehr am 16.06.1888. Es handelte sich um ein Feuer in Teufelsbrück - die Wehr war nach zwei Stunden mit den Löscharbeiten fertig.
1902 wurde mit der Beschaffung eines von Pferden gezogenen Feuerwehrfahrzeugs ein weiterer großer Fortschritt erzielt. Mit diesem Fahrzeug war es möglich, die Geräte und die Einsatzkräfte unterzubringen. Die bis dahin per Hand gezogenen Schlauchkarren wurden daraufhin abgeschafft, und die Männer kamen nicht mehr völlig außer Atem an der Einsatzstelle an.
Jedoch stellte die Bereitstellung der Pferde - besonders bei Nacht - eine gewisse Schwierigkeit dar.
1914 mussten 14 Kameraden in den ersten Weltkrieg, und ein Fortbestehen der Wehr war nur dadurch möglich, dass sich weitere Bewohner des Dorfes dem verbliebenen Rest anschlossen.
1927 war für die Feuerwehr ein bedeutsames Jahr, da durch die Eingemeindung der Ortschaften in ein Groß Altona eine Umformung der Befehlsgewalt erfolgte. Mit dieser Eingemeindung kam auch die Motorisierung nach Nienstedten. Ein ausgedienter Überfallwagen der Polizei wurde von der Wehr hergerichtet und das erste motorisierte Fahrzeug (Foto).
Am 28.06.1936 feierte die Freiwillige Feuerwehr Nienstedten ihr 50-jähriges Bestehen (Foto).
1938 kam durch das Groß-Hamburg-Gesetz Altona - und somit auch unsere Feuerwehr - zu Hamburg. In dieser Zeit wurde ein Mercedes LF 8 mit Tragkraftspritzenanhänger unser zweites Fahrzeug.
Im zweiten Weltkrieg wurde der Großteil der Einsatzabteilung eingezogen. Durch Ergänzung aus den Reihen der Altersabteilung wurde ein notdürftiger Brandschutz aufrecht erhalten.
1964 wurde das LF 8 nach 28 Jahren ausgemustert und durch ein gebrauchtes LF 15 ersetzt, das erst nach einigen Umbauarbeiten in die Remise des Feuerwehrhauses passte.

1968 kam dann noch ein Schlauchboot hinzu, das schon wenige Jahre später ausgemustert werden musste. Im Juli ging bei einer Einsatzfahrt der Motor des Löschfahrzeugs kaputt, und die Wehr erhielt einen Unimog (VLF) und einen VW Bus (KLF).
Am 27.01.1966 kam bei einer Informationsveranstaltung zur Sprache, dass die bisherige Wache nach dem neuen Bebauungsplan auf der Abrissliste stand. Nach vielen Bemühungen und mit Hilfe des Bürgervereins konnten wir am 27.06.1974 das Richtfest im neuen Gerätehaus feiern.
Am 22.02.1975 war dann die Einweihung des Neubaus, der heute noch unsere Feuerwehr beherbergt.
Kurze Zeit später erhielt die Freiwillige Feuerwehr Nienstedten ein neues Mercedes LF 16.
1976 wurden aufgrund von Beschwerden aus der Bevölkerung die Sirenen in Hamburg abgeschafft. Seitdem wird die sog. "stille Alarmierung" genutzt, um die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr zu rufen. Das ist für die Anwohner zwar wesentlich ruhiger, für die Feuerwehr jedoch nicht immer von Vorteil.
Vom 11. bis zum 14. September 1986 feierte die Freiwillige Feuerwehr Nienstedten ihr 100-jähriges Jubiläum.
Knapp sieben Jahre nach der Jubiläumsfeier gründeten die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Nienstedten den "Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Nienstedten e.V.", der im Rahmen seiner als gemeinnützig anerkannten Satzung unabhängig von staatlichen Stellen handeln kann - siehe auch Förderverein.

Im April 2002 erhielten wir das lang ersehnte neue Löschfahrzeug, das den aktuellen Bedürfnissen der Feuerwehrarbeit gerecht wird - siehe auch Fahrzeuge.

Ebenfalls im Jahr 2002 gründete die Freiwillige Feuerwehr Nienstedten die Jugendfeuerwehr Nienstedten, die nunmehr aktive Jugendarbeit im Stadtteil Nienstedten leistet - siehe auch Jugendfeuerwehr.

Mit dem Tag der offenen Tür 2002 wurde unsere Feuerwehr die "kuhlste" Feuerwehr im Hamburger Westen. Denn seitdem rutscht bei uns die mittlerweile berühmte Feuerwehrkuh zum Einsatz - nicht nur Bild, MOPO und Hamburger Abendblatt berichteten von dem 90 KG schweren Maskottchen der Nienstedtener.

2004 entwickelte sich zu einem der spannendsten Jahre der Freiwilligen Feuerwehren in Hamburg. Eine Strukturanalyse sollte über Erhalt oder Schließung zahlreicher Standorte entscheiden. Unterschriftenaktionen und die Begutachtung der Feuerwehrarbeit ergaben allerdings, dass die Schließung auch nur einzelner Freiwilliger Feuerwehren mit den Standards der Stadt nicht vereinbar ist.

Im Oktober 2004 konnte der Fuhrpark durch den Förderverein der Feuerwehr Nienstedten um einen VW-Bus erweitert werden. Das Fahrzeug wurde durch unseren Förderverein angeschafft und kommt im wesentlichen bei der Arbeit der Jugendfeuerwehr zum Einsatz. Im April 2005 folgte dann die feuerwehr-adäquate Beklebung. Da der Bus zur Hälfte aus öffentlichen Geldern finanziert wurde, fand die offizielle Schlüsselübergabe dann im neuen Design am 23. April 2005 mit örtlichen Politikern statt.  

Am Donnerstag, dem 17. Februar 2005 wurde der Freiwilligen Feuerwehr Nienstedten ein neues LF 16 KatS übergeben. Dieses Fahrzeug löst das 1985 in Dienst gestellte LF 16 TH ab, das am 15. Februar abgegeben wurde. Die Freude über das neue Fahrzeug und die somit abgeschlossene Verjüngung des Fuhrparks samt Anpassung der technischen Ausrüstung an das aktuelle Einsatzgeschehen ist natürlich groß!

Einen Höhepunkt gab es am 8. Februar 2008 zu feiern. Das vom Förderverein angeschaffte Boot wurde von Marisa Dau, der jüngsten Anwärterin bei der Jugendfeuerwehr,  auf den Namen „Fortuna“ getauft. Seit vor etwa 30 Jahren bei der Feuerwehr die ersten motorgetriebenen Kleinboote eingesetzt wurden, hat sich die Freiwillige Feuerwehr Nienstedten erfolglos um eine Stationierung in Teufelsbrück bemüht. Das private Engagement Nienstedtener Bürger hat nun dazu geführt, dass unsere Einsatztätigkeit nun endlich auch auf das Wasser ausgedehnt werden kann – siehe auch Boot.